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Das Unternehmen 

Von der Autokühlerwerkstatt zum führenden Hersteller von Hochleistungs-Luftkühlern:
Die GEA Küba Chronik



München, 1922
Auch in der bayerischen Landshauptstadt wirkt der 1. Weltkrieg noch nach. Ein Pfund Brot kostet 40 Mark, ein Zentner Kartoffeln 350 Mark – die Folge der rapiden Entwertung der Reichsmark. Fleisch ist in diesen Tagen Luxus. Was auf breiter Ebene zu einer Verschlechterung der Gesundheitslage in der Bevölkerung führt. Der Ausweg aus der Misere scheint das Ausweichen auf billiges Gefrierfleisch aus Übersee. Doch noch fehlen die Lagerkapazitäten und die notwendige moderne Kältetechnik.

 

Zeitgleich schreitet die technische Entwicklung in riesigen Schritten voran. Bei Ford in Detroit laufen täglich 3000 Ford T-Modelle vom Band, im Jahr sind das 1,25 Mio. In Deutschland rollen 1922 knapp 100 000 Autos über zumeist holprige Schotterpisten. In Amerika wird das erste Autoradio vorgestellt. Und in München eröffnet der Handwerksmeister Heinrich Schmitz eine Reparaturwerkstatt für Autokühler und legt damit die Keimzelle von GEA Küba.

 

Der Handwerksbetrieb wächst. Recht schnell erkennt Schmitz, dass das Potential der Kühltechnik in der Industrie oder Lebensmittellagerung wesentlich lukrative Perspektiven verspricht. Sein Knowhow fließt in die Entwicklung des ersten Verdampfers ein, der 1927 bei Schmitz gefertigt wird. Zu den Verdampfern kommen Verflüssiger, die Umstrukturierung von Handwerksbetrieb zum Produktionsbetrieb auf dem Luftkühlersektor schreitet voran. 

 

Die 1930er Jahre sind die Pionierzeit für die Branche. Kältetechnik bedeutet in den Anfängen in der Hauptsache Großkälte. Hauptabnehmer sind Brauereien und Eisfabriken, die für den gewerblichen Bedarf, insbesondere Metzgereien, große Eisblöcke verkaufen für die Kühlung von Eisschränken (daher der Name "Eis" - Schrank). Doch die Nachfrage nach technischen Lösungen befeuert die Entwicklung. Auch bei Schmitz.

 

Die Nachfrage nach den ölfreien Lüftkühlern aus München wächst kontinuierlich. Der 2. Weltkrieg  bleibt auch für Schmitz nicht folgenlos. 1943 wird der Betrieb ausgebombt. Damit das nach wie vor florierende Geschäft nicht zum  Erliegen kommt, verlagert Schmitz einen Teil der Produktion nach Quarzbichl bei Beuerberg. Bereits 1945 baut Schmitz seinen Münchener Betrieb wieder auf. Die Küba bringt 1949 den weltweit ersten ventilatorbelüfteten Verdampfer auf den Markt: Der Rapidverdampfer. Das Unternehmen hat mittlerweile 150 Beschäftigte. Produziert wird nach wie vor in Quarzbichl.

 

Der Erfolg des Rapidverdampfers führt 1952 zur erstmaligen Entwicklung einer Ventilatorverdampfer-serie: Der „Hochleistungsverdampfer“ kommt auf den Markt und läutet eine neue Unternehmensära ein. BOSCH, ein Kunde von Verflüssigern, Schaltschrankkühlern und Kühlraumverdampfern, besteht Anfang der 50er Jahre auf der Durchführung von Reinheits- und Feuchtigkeitsanalysen. Schmitz führt die notwenigen Analysen durch, dokumentiert alles für den Kunden als Nachweis durch und lässt die Erkenntnisse gleich wieder in die Produktion einfließen. Was letztlich zu einer nachhaltigen Verbesserung der Produktqualität führt. 1953 folgen die ersten zweiseitig ausblasenden Deckenventilatorverdampfer. 1954 können die Kunden erstmals in einem Vierfarb-Katalog  Produkte  auswählen. Zeitgleich übernimmt  Sohn H.W. Schmitz die Quarzbichler Produktionsstätte, löst den Unternehmensteil aus der Fa. Heinrich Schmitz & Söhne/ München heraus und gründet die Firma Küba.

 

1954 zieht Küba von Quarzbichl nach Baierbrunn um, wobei ein Teil der Fertigung vorerst am alten Standort verbleibt. 1956 wird mit dem Rundbau  der erste neue Gebäudekomplex in Baierbrunn erstellt. Der Wirtschaftsboom beflügelt auch Küba. Das Unternehmen wächst rasant als Folge der ebenso rasanten Nachfrage nach modernen Hochleitungsluftkühlern. Schon bald sind die neuen Produktionsstätten zu klein. Um expandieren zu können, kauft Schmitz-Junior den Nachbarbetrieb, die Firma Richtberg, auf und verdoppelt die Produktionsflächen. Mittlerweile arbeiten 650 Mitarbeiter bei Küba.

 

Neue Maßstäbe setzt Küba 1965 mit der Entwicklung des QV-Diagramms, das als leistungsorientiertes Auswahlkriterium zum Maß aller Dinge in der Kältetechnik wird. 1964 baut die Küba einen Luftmesskanal und ein Kalorimeter und ist damit der erste Verdampferhersteller Europas, der auf  derartigen Messanlagen das Leistungsspektrum der Verdampfer verlässlich einem Realtest unterziehen kann und so eine nachhaltige Produktoptimierung betreibt.

 

Dieser Wissensvorsprung sowie das technische Knowhow als Premiumhersteller fließen in die Erarbeitung der DIN 8955 (Normalleistungsangaben für Verdampfer) und in die DIN 8970 (Normalleistung bei Verflüssigern) ein: Küba ist maßgeblich  am Normenausschuss beteiligt.
1969 erweitert Küba erneuet die Produktionskapazitäten und baut am Standort Quarzbichl eine neue Fertigungshalle mit 1000 qm Fläche.

 

Ein nächster Meilenstein in der Unternehmensgeschichte stellt die Entwicklung des CAL®-Verteilers dar, der 1976 zum Patent angemeldet wird. Mit dem CAL®-Verteiler  wird permanent bei jeder Raumtemperatur und mit jeden Kältemittel eine vollständige und konstante Kälteleistung garantiert. Zeitgleich werden dadurch längere Standzeiten erreicht und die Abtauintervalle reduziert – ein Novum!
Ein weiterer großer Wurf folgt 1983 mit der Entwicklung des Flachverdampfers, der durch eine geringe Bauhöhe bei gleichzeitig hoher Leistung trumpft und neue Wege in der Kältetechnik beschreitet.

 

Ein Jahr drauf beginnt die Neustrukturierung des Betriebs mit Konzentration auf den Standort Baierbrunn. Hier entsteht 1984 eine neue, 120 Meter lange Produktionshalle mit zwei 30 bzw. 40 Meter breiten Schiffen. Platz genug, um die Teilproduktion von Quarzbichl hierhin zu verlagern. Quarzbichl wird in den nächsten Jahren  rückgebaut, die Grundstücke im Nachgang an den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verkauft.

 

1987 kauft GEA Happel die Küba Kältetechnik GmbH. Küba wird damit eine Tochter der internationalen GEA Group. 1988 übernimmt Küba mit der Fa. Rudolf Schmitz/München auch den 1954 abgespalteten Teil der Schmitz-Werke und verlagert die Produktion nach Baierbrunn. Ein klares Standortbekenntnis.
Parallel dazu kommt mit der neuen SG-Serie die konsequente Weiterentwicklung der Hochleistungsverdampfer auf den Markt und wird über zwei Jahrzehnte in dem Segment dominieren. Nicht zuletzt dank der verbesserten Luftführung mit dem patentierten Luftgleitrichter, der ab 1988 zum Einsatz kommt.

 

Sehr früh erkennt Küba seine unternehmerische Verantwortung für nachhaltigen Umweltschutz und setzt dies im Produktionsprozess um. So wird bereits 1987 eine nach neusten Umweltbestimmungen entwickelte Trichlorathylen-Waschanlage installiert.

 

Um die Mitarbeiter stärker in die unternehmerischen Prozesse einzubinden und so zu motivieren, führt Küba 1989 das betriebliche Vorschlagswesen ein. Mit Erfolg: In den folgenden Jahren werden so entscheidende Produktentwicklungen beschleunigt und Fertigungsprozesse optimiert.

 

Die gute Beziehung zwischen Belegschaft und Konzern spiegelt sich auch jenseits des Arbeitsalltags wider: 1992 gründen acht ehemalige Mitarbeiter die Küba-Senioren“. Der „Club der Ehemaligen“ ist mittlerweile stattlich angewachsen und pflegt Werkbank-Freundschaften und hat noch immer einen guten Draht ins Unternehmen. In einer konstatierten Pflanzaktion begrünen die Küba-Senioren 1993 die Flächen rund um den Hallenneubau und 402 verschiedene Sträucher sowie 40 Bäume. Das Engagent spart die Gärtnerkosten, da die Bepflanzung von der Baubehörde angeordnet worden war.

 

GEA Küba ist heute Weltmarktführer bei Hochleistungsverdampfern und bekannt für die Präzision und Zuverlässigkeit. Zum Produktportfolio gehören Luftkühler, Verflüssiger und Rückkühler.
Heinrich Schmitz, der 1922 mit seiner Autokühlerreparaturwerkstatt den Grundstein für die Küba Kältetechnik legte, ist im Dezember 1994 gestorben. Der Verdampfer-Pionier wurde 85 Jahre alt.